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Miriam Ziegler-Floericke

Psychologin (LMU), HP für Psychotherapie, Business Coach, Mediatorin

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Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna!

Die nicht mehr ganz so Taufrischen unter uns kennen noch gut die Bluna Fernsehwerbung zu Beginn des Jahrtausends mit den lustigen und etwas irren alten Herren. Sympathisch und überaus liebenswert, aber eben auch etwas irre. 

Tatsächlich sind Persönlichkeitsstörungen etwas, das viele von uns betrifft. Vielleicht sind wir nicht alle etwas Bluna, aber doch gar nicht mal so wenige. So sind Persönlichkeitsstörungen keine Seltenheit, sondern begegnen vielen von uns im Alltag. Manche sind mehr hiervon betroffen und manche weniger – je nachdem wie eng ein Kontakt ist.

Und falls wir selber betroffen sind: Ein Leben mit Persönlichkeitsstörungen kann eine Reihe von Herausforderungen mit sich bringen, sowohl für die betroffene Person als auch für deren Umfeld. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Chancen bzw. Möglichkeiten wie sich Betroffene mit diesen Herausforderungen auseinandersetzen und ein erfülltes Leben leben können.

Herausforderungen

  • Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen: Menschen mit Persönlichkeitsstörungen erleben oft Probleme im Umgang mit anderen. Sie können intensive, wechselhafte Beziehungen haben, Schwierigkeiten, Vertrauen zu fassen, oder sich in sozialen Situationen unangemessen verhalten. Diese Schwierigkeiten können zu Isolation, Konflikten und Missverständnissen führen. 
  • Emotionsregulation: Viele Persönlichkeitsstörungen, wie etwa die Borderline-Persönlichkeitsstörung, gehen mit extremen Stimmungsschwankungen, Impulsivität und Schwierigkeiten in der Emotionsregulation einher. Dies kann dazu führen, dass Betroffene sich überwältigt fühlen und ihre Handlungen nicht immer in Einklang mit ihren langfristigen Zielen stehen.
  • Selbstwahrnehmung und Identität: Besonders bei Störungen wie der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist die Selbstwahrnehmung oft instabil. Betroffene können Schwierigkeiten haben, ein konstantes Selbstbild zu entwickeln oder ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen. 
  • Kognitive Verzerrungen: Menschen mit Persönlichkeitsstörungen neigen häufig dazu, bestimmte Situationen verzerrt wahrzunehmen, was zu Missverständnissen oder unangemessenen Reaktionen führen kann. Zum Beispiel kann jemand mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung anderen ständig Misstrauen entgegenbringen. 
  • Stigmatisierung und Missverständnisse: Es gibt häufig gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, die zu zusätzlicher Belastung führen können. Die Betroffenen können als „schwierig“ oder „unbehandelbar“ angesehen werden, was den Zugang zu Hilfe erschwert. 

Chancen durch Persönlichkeitsstörungen

  • Selbstreflexion und Wachstum: Eine Persönlichkeitsstörung kann eine Gelegenheit zur intensiven Selbstreflexion und persönlichem Wachstum sein. Menschen, die sich mit den Ursachen und Auswirkungen ihrer Störung auseinandersetzen, können tiefere Einsichten in ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster gewinnen. 
  • Therapie und Behandlungsmöglichkeiten: Mit der richtigen Therapie – etwa der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) bei Borderline oder der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) – können viele Betroffene lernen, ihre Symptome zu kontrollieren und ihre Lebensqualität erheblich zu verbessern. Therapie kann helfen, gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln und zwischenmenschliche Beziehungen zu stabilisieren. 
  • Stärkung der Resilienz: Das Leben mit einer Persönlichkeitsstörung erfordert oft, dass Betroffene Resilienz entwickeln. Dies kann zu einer stärkeren Fähigkeit führen, mit schwierigen Lebensumständen umzugehen und Rückschläge besser zu überwinden.
  • Verständnis und Akzeptanz: Der Weg zur Akzeptanz der eigenen Störung und die Entwicklung eines positiven Selbstbildes kann eine tiefgreifende Chance für ein erfülltes Leben darstellen. Menschen, die lernen, ihre Störung zu verstehen und sich selbst zu akzeptieren, können auch lernen, gesunde Beziehungen zu führen. 
  • Verbindungen zu anderen: Der Austausch mit anderen, die ähnliche Herausforderungen durchmachen, kann enorm heilend wirken. Selbsthilfegruppen oder Online-Communities bieten Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gegenseitig zu unterstützen.
  • Talent und Kreativität: Menschen mit Persönlichkeitsstörungen, wie etwa der histrionischen oder der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, verfügen oft über besondere kreative Fähigkeiten oder eine starke Fähigkeit zur Selbstverwirklichung. Dies kann in Kunst, Literatur, Musik oder anderen kreativen Bereichen zur Entfaltung kommen.

Der richtige Umgang damit

Was kannst Du machen wenn Du selber betroffen bist? Ein wichtiger Aspekt für Betroffene im Umgang mit Persönlichkeitsstörungen ist, sich nicht von ihrer Diagnose definieren zu lassen. Das klingt irgendwie banal, ist es aber natürlich nicht.

Therapie und Unterstützung können dabei helfen, die eigenen Stärken und Ressourcen zu erkennen, um die Herausforderungen der Störung besser zu bewältigen. Und der offene Austausch im Freundes- und oder Bekanntenkreis kann gut dabei helfen, sich mitzuteilen, Verständnis sowie aber auch Impulse zu bekommen

Und Geduld ist ein sehr wichtiges Gut im Umgang mit diesen Themen. Mal geht es an einem Tag besser und mal schlechter. Es ist ein fortwährendes Auf & Ab. Der Prozess der Heilung und des Wachstums ist oft langwierig, aber nicht unmöglich! Ein unterstützendes Umfeld und die Bereitschaft zur Veränderung können dazu beitragen, dass Menschen mit Persönlichkeitsstörungen ein erfülltes und zufriedenes Leben führen können.